Cloud and AI Development Act: Europas Antwort auf die Hyperscaler-Abhängigkeit
Die EU-Kommission hat für Q1 2026 den Cloud and AI Development Act angekündigt – ein Gesetzespaket, das Europas strukturelle Abhängigkeit von US-Cloud-Diensten adressieren soll. Was bedeutet das für Organisationen, die heute Technologieentscheidungen treffen?
Der Cloud and AI Development Act ist Teil des Arbeitsprogramms der EU-Kommission für 2026. Ziel ist die Schaffung eines sicheren und wettbewerbsfähigen europäischen Cloud- und KI-Ökosystems.
Das Problem: Strukturelle Abhängigkeit
Die Zahlen sind eindeutig: 60–65% des europäischen Public-Cloud-Marktes werden von drei US-Unternehmen kontrolliert – Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud. Diese Konzentration ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Investitionsvorsprünge.
| Dimension | Situation |
|---|---|
| Marktanteil | US-Hyperscaler dominieren mit über 60% |
| Rechtliche Exposition | US CLOUD Act ermöglicht Datenzugriff |
| Kapitalabfluss | Europäische Unternehmen finanzieren US-Infrastruktur |
| Innovationsabhängigkeit | Führende KI-Modelle kommen aus den USA |
Diese Abhängigkeit ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage. Sie berührt die demokratische Resilienz und geopolitische Handlungsfähigkeit Europas.
Was der Cloud and AI Development Act adressiert
Das Gesetzespaket soll laut Kommission mehrere Lücken schließen:
Ausbau der Rechenzentrums-Kapazität
Europa braucht mehr eigene Infrastruktur. Der Act soll den Bau von Rechenzentren vereinfachen – von Genehmigungsverfahren bis zur Energieversorgung.
Interoperabilität und Portabilität
Vendor Lock-in ist eines der größten Hindernisse für europäische Alternativen. Neue Standards sollen den Wechsel zwischen Anbietern erleichtern und Multi-Cloud-Strategien ermöglichen.
Förderung europäischer Cloud-Anbieter
Die Kommission plant, europäische Anbieter gezielt zu fördern – durch öffentliche Beschaffung, Investitionsprogramme und vereinfachte Zertifizierung.
KI-Infrastruktur im europäischen Rahmen
Parallel zum AI Act soll der Cloud and AI Development Act die Compute-Kapazitäten für europäische KI-Entwicklung sicherstellen – ohne Abhängigkeit von US-Diensten.
Der Kontext: Europas "Airbus-Moment"
Die Diskussion um europäische Technologie-Souveränität ist nicht neu. Aber 2026 verdichten sich die Initiativen:
| Initiative | Volumen | Ziel |
|---|---|---|
| European Chips Act | €43 Mrd. bis 2030 | 20% globaler Marktanteil bei Halbleitern |
| InvestAI | bis zu €200 Mrd. | Europäische KI-Infrastruktur |
| Digital Europe Programme | €7,5 Mrd. | Digitale Kompetenzen und Kapazitäten |
Einige Beobachter sprechen von einem "Airbus-Moment" – der Chance, in der digitalen Welt das zu wiederholen, was Europa in der Luftfahrt geschafft hat: einen wettbewerbsfähigen Gegenpol zu US-Dominanz aufzubauen.
Europäische Alternativen existieren bereits
Während die Gesetzgebung noch in Arbeit ist, haben sich europäische Anbieter bereits positioniert:
| Bereich | Europäische Anbieter |
|---|---|
| Cloud-Infrastruktur | OVHcloud (FR), STACKIT (DE), T-Systems (DE) |
| KI-Modelle | Mistral AI (FR), Aleph Alpha (DE) |
| Sprachverarbeitung | DeepL (DE) |
| Kollaboration | Nextcloud (DE), Proton (CH) |
| Kommunikation | Element (UK), Wire (DE) |
Diese Anbieter operieren unter europäischem Recht, ohne Exposition gegenüber dem US CLOUD Act.
Was das für Ihre Technologieentscheidungen bedeutet
Organisationen, die heute Plattformen evaluieren, sollten den regulatorischen Trend berücksichtigen:
- Unter welcher Jurisdiktion operiert der Anbieter?
- Gibt es US-Muttergesellschaften mit CLOUD Act-Verpflichtungen?
- Wie einfach ist eine Migration zu alternativen Anbietern?
- Werden KI-Dienste von Drittanbietern bezogen?
Der Cloud and AI Development Act wird voraussichtlich neue Anforderungen an öffentliche Beschaffung stellen. Aber auch private Organisationen profitieren von der frühzeitigen Ausrichtung auf interoperable, europäische Lösungen.
Fazit: Regulierung folgt dem Markt
Der Cloud and AI Development Act ist kein isoliertes Gesetz, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung Europas. Er signalisiert, dass digitale Souveränität von einem Nischenthema zur zentralen Frage der Wettbewerbsfähigkeit geworden ist.
Für Organisationen bedeutet das: Die Entscheidung für europäische Infrastruktur ist nicht mehr nur eine Compliance-Frage. Sie ist eine strategische Positionierung für die kommenden Jahre.
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Quellen: